Mitte der 1990er Jahre wurde vom Amt für soziale Angelegenheiten der Stadt Linz eine Untersuchung über die soziale Situation von Jugendlichen in Neubaustadtteilen im Süden von Linz in Auftrag gegeben. Ein wesentliches Ergebnis dieser Untersuchung war, dass es Jugendlichen in diesen Stadtteilen besonders häufig schwer fällt, den Übertritt vom Ausbildungs- ins Berufssystem gut zu bewältigen. Dies lag u.a. daran, dass sie dabei von den Eltern nicht in dem Ausmaß unterstützt werden konnten, wie das anders der Fall ist. Gleichzeit gab es im damaligen Sozialamt gute Erfahrungen mit der beruflichen Integration von potentiellen SozialhilfebezieherInnen in den Arbeitsprozess mit der sogenannten Sozialhilfearbeit. In diesem Rahmen wurde Menschen mit Anspruch auf Sozialhilfe ein Dienstverhältnis mit 25 Wochenstunden bei der Stadt Linz angeboten. Der Arbeitsinhalt wurde mit Rücksicht auf den Bedarf der Stadt und die Fähigkeiten und Interessen der Betroffenen ausgewählt. Die Ergebnisse waren sehr positiv und zeigten, dass Menschen sich überwiegend lieber für eine berufliche Tätigkeit und die damit verbundene Bezahlung entschieden, als für den passiven Bezug von Sozialhilfe. Die mit einer regelmäßigen Beschäftigung verbundene gesellschaftliche Position und der Grad der sozialen Integration konnten durch die Vermittlung in Beschäftigung viel besser erreicht werden, als durch den bloßen Bezug von Transferleistungen.

In einem ersten Schritt wurde daher versucht, auch Jugendliche, die den Übertritt ins Berufsleben aus eigenem nicht schafften, im Rahmen der Sozialhilfearbeit zu beschäftigen. Dabei stellte sich allerdings heraus, dass Jugendliche ein wesentlich höheres Ausmaß an sozialpädagogische Betreuung und Begleitung benötigten, um Jobfitness zu entwickeln. Aus diesem Grund entstand die Überlegung, die damals anstehende Situation eines EU Beitritts Österreichs und die Möglichkeit, aus dem europäischen Sozialfonds für derartige Zielsetzungen Mittel zu lukrieren, zu nutzen, und in diesem Rahmen die nötige soziale Betreuung für die berufliche Eingliederung der Jugendlichen zu finanzieren. Da es schwierig erschien, eine solche zusätzliche Dienstleistung im Rahmen der Magistratsstrukturen zu etablieren, entstand die Idee, diese Aufgabe in einen städtischen Verein auszulagern. In der Folge wurde der VSG gegründet.

Der VSG wurde im Jahr 1996 auf Initiative des Sozialamtes der Stadt Linz als stadtnaher Verein gegründet. Die geplante Zielsetzung bestand darin, Jugendliche durch sozialpädagogische Angebote dabei zu unterstützen, den Übergang vom Ausbildungssystem ins Berufsleben gut zu bewältigen. Denn vorausgehende Studien hatten gezeigt, dass ein wesentliches soziales Problem dadurch entstand, dass in bestimmten Stadtteilen Jugendlichen der Übertritt von der Schule ins Berufsleben nicht leicht viel und dass es ihnen an entsprechender Unterstützung, z.B. seitens der Eltern, fehlte.

Um zu verhindern, dass diese Zielgruppe (überwiegend bildungsbenachteiligte Jugendliche) in die Abhängigkeit von Sozialhilfe geraten, wurde als erstes Projekt des VSG 1997 das Projekt KICK ins Leben gerufen, mit dem Jugendliche durch die Vermittlung von Praktika bei der Stadt Linz oder in der freien Wirtschaft und durch entsprechende Sozialpädagogische Betreuung und Bewerbungsanleitung bei der Arbeitsplatzsuche unterstützt wurden. Die Ergebnisse waren sehr erfolgversprechend, denn nach einer kurzen Startphase konnten weit über 80% der Jugendliche auf einen fixen Arbeitsplatz oder in eine weiterführende Ausbildung vermittelt werden.

Nach einer zweijährigen Pilotphase, in der dieses Projekt zu einem Großteil aus dem Europäischen Sozialfonds finanziert wurde, war daher der Nachweis erbracht, dass eine Weiterfinanzierung des Projektes durch Stadt Linz und Land OÖ einen wesentlichen Beitrag zur Prävention von Sozialhilfebezug leisten würde. Aus diesem Grund erklärten sich Land OÖ und Stadt Linz bereit, das Projekt KICK dauerhaft weiter zu finanzieren.

Bei der Analyse der Vermittlungshindernisse jugendlicher Menschen, fiel in der Folge auf, dass überraschend viele die Hauptschule nicht zur Gänze abgeschlossen hatten. In Verhandlungen mit dem Bundesministerium für Bildung, Unterricht und Kunst, konnte erreicht werden, dass der VSG eine Förderung für ein Projekt zum Nachholen des Hauptschulabschlusses erhielt. Das war im Jahr 2000 der Beginn des Projektes LEARN.

Auf Initiative des Gemeinderates, in der Stadt Linz eine Zeittauschbörse für den Austausch von sozialen Dienstleistungen zwischen Alt und Jung z.B. im Rahmen der Altenbetreuung zu fördern. In der Folge wurde entschieden, den VSG mit dieser Aufgabe zu betrauen. Das Projekt TIME wurde 1999 gestartet.

Die damalige Sozialstadträtin Dr. Ingrid Holzhammer schätzte die Arbeit des VSG sehr und kommunizierte die Vermittlungserfolge in regelmäßigen Pressekonferenzen. Ihr war es sein großes Anliegen, besonders Frauen bei der Bewerbung um einen Arbeitsplatz zu unterstützen. Daraufhin wurde im VSG ein Konzept für ein Projekt entwickelt, mit dem besonders auf die Bedürfnisse von Arbeit suchenden Frauen eingegangen werden solltet. Das Projekt WOMAN wurde im Jahr 2000 gestartet.

Im Jahr 2000 wurde auf Initiative des ÖGB OÖ die Dänischen Produktionsschulen als zukunftsweisendes Modell auch für Österreich propagiert. Mit Produktionsschulen wird in Dänemark die teilweise entstehende Lücke zwischen Schul- und Berufsausbildung und beruflicher Intetgration geschlossen. Das Land OÖ erklärte sich bereit, eine erste Produktionsschule in Linz zu finanzieren. Bei einer Ausschreibung wurde das vom VSG eingereichte Konzept als bestes ausgewählt. Daraufhin stellt die Stadt Linz ein Gebäude zur Verfügung und die FACTORY startete im Jänner 2001 ihren Betrieb.

In der Vergangenheit wurde seitens des Jugendamtes der Stadt Linz häufig beobachtet, dass Jugendliche aus schwierigen sozialen Verhältnissen zwar durch Maßnahmen der Familienhilfe unterstützt wurden, aber zum Zeitpunkt ihrer Volljährigkeit nur wenig Grundlage für eine weitere berufliche Unabhängigkeit und Selbstständigkeit gegeben war. Aufgrund der Kompetenzen, die der VSG bei der beruflichen Integration von Jugendlichen in den laufenden Projekten gesammelt hatte, erhielt der VSG von der Abteilung Erziehungshilfe des Jugendamts der Stadt Linz den Auftrag, ein Konzept zur sozialpädagogischen Familienhilfe zu erstellen, bei dem die berufliche Integration der Jugendlichen bis zu ihrem 18. Lebensjahr einen Schwerpunkt bildete. Aufgrund dieses Konzepts wurde der VSG auf Basis des Jugendwohlfahrtsgesetzes als Träger von Angeboten sozialpädagogischer Leistungen aufgenommen und mit dieser Dienstleistung beauftragt. Das war der Beginn von MOVE, der Kinder- und Jugendhilfe, im Jahr 2004, die seither neben der allgemeinen Familienhilfe zwei zusätzliche Schwerpunkte entwickelt hat, nämlich die Betreuung junger Mütter und die Hortbegleitung.

2008 wurde auf Initiative des Landes Oberösterreich gemeinsam mit dem Sozialministerium das unabhängige LandesFreiwilligenzentrum ULF als Projekt des VSG ins Leben gerufen. Der Auftrag des Landes ist es, die Freiwilligenarbeit in OÖ zu fördern und Freiwillige mit den entsprechenden sozialen Organisationen in Kontakt zu bringen.

Im Jahr 2009 wurde der VSG für einen befristeten Zeitraum von drei Jahren beauftragt, in Auwiesen eine Initiative zu starten mit dem Ziel, die Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Bewohnergruppen zu verbessern und den sozialen Zusammenhalt im Rahmen eines Gemeinwesenprojektes zu fördern. Das Projekt VIEW wurde nach drei Jahren wieder beendet, aber viele der damals angestoßenen Aktivitäten laufen im städtischen Stadtteilzentrum Auwiesen weiter. Ausgehend vom Projekt VIEW bewarb sich der VSG auch beim Fonds gesundes Österreich um das Projekt „Auf gesunde Nachbarschaft“, das in den Jahren 2012 und 2013 in Zusammenarbeit mit dem städtischen Stadtteilzentrum ebenfalls in Auwiesen umgesetzt wurde.

Ziel des VSG ist es weiterhin, Sozial- und Gemeinwesenprojekte für die Stadt Linz und für den Einzugsbereich anderer Fördergeber anzubieten und dabei rasch und unkompliziert auf geänderte Bedarfslagen zu reagieren. Die vom VSG angebotenen sozialen Dienstleistungen sollen stets State of the Art bleiben und im Rahmen der Aufträge der jeweiligen Fördergeber auf die jeweils aktuelle Situation beweglich angepasst werden. Daher wird sich das Angebot des VSG auch in Zukunft entsprechend des sich verändernden Bedarfes flexibel gestalten, um damit den Fördergebern ein Maximum an sozial erwünschten Effekten für die eingesetzten Subventionsmittel zu gewähren.

Günther Bauer, Gründer und Vereinsvorsitzender bis 4/2016